VDI 4640 Update 2025: Was die Norm für Bestandsbauten bedeutet
von Tobias Vornholt · 14 Minuten Lesezeit
Hinweis: Dieser Beitrag wurde redaktionell aufbereitet. Die zugrundeliegenden Daten und Zitate sind am Ende verlinkt.
Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat 2025 eine umfassende Überarbeitung der VDI 4645 „Heizungsanlagen mit Wärmepumpen“ veröffentlicht. Die Norm 4645 ist die zentrale technische Grundlage für die Planung und Auslegung von Wärmepumpenanlagen in Wohngebäuden. Sie wird in den meisten Bundesländern in der KfW 458-Förderung als technische Referenz genannt.
Drei Änderungen sind für Bestandsbauten besonders wichtig. Erstens: Die Norm definiert neue Bivalenzpunkte. Während die alte Ausgabe 2012 von einer Norm-Außentemperatur von -10 °C bis -15 °C für mittlere Klimazonen ausging, wird nun zwischen „Norddeutschland“ (Norm -12 °C) und „Süddeutschland“ (Norm -14 °C) unterschieden. Die Folge: Eine Pac, die in Hamburg optimal dimensioniert ist, kann in München unterdimensioniert sein.
Zweitens: Die Norm verlangt eine dokumentierte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Bei Bestandsbauten mit Heizflächen, deren Dimensionierung unbekannt ist, kann die Norm Pauschalwerte vorgeben, jedoch nur wenn die Randbedingungen dokumentiert sind. Das zwingt SHK-Betriebe zu mehr Sorgfalt — und hilft Bauherren, weil sie eine nachvollziehbare Grundlage für die Angebotsbewertung bekommen.
Drittens: Die Norm konkretisiert die Anforderungen an die Schalldämmung. Sie verweist auf die DIN 4109 und das Berechnungsverfahren nach VDI 4100. Wer eine Wärmepumpe an einer Nachbargrenze in Reihenhauslage plant, muss mit einer dokumentierten Schallprognose rechnen — was die Arbeit für SHK-Betriebe erhöht, aber Rechtssicherheit gibt.
Für die Sanierung im Bestand bedeutet das VDI-Update eine Verschärfung: Die Beratung und Vorbereitung dauert länger, die Vor-Ort-Begehung muss detaillierter erfolgen, die Anlagenplanung muss mehr Variablen dokumentieren. In der Praxis führt das zu längeren Vorlaufzeiten (in der Regel 6–10 Wochen statt 3–4 Wochen) und höheren Beratungskosten (400–1.200 € statt 200–500 €).
Gleichzeitig bringt die Norm mehr Planungssicherheit. SHK-Betriebe können genauer dimensionieren, Bauherren können Angebote systematischer vergleichen, und Gerätehersteller bekommen einheitliche Auslegungs-Annahmen. Die Folgen: bessere JAZ im Betrieb, weniger Garantiefälle, längere Lebensdauer der Anlage.
Die Wade-Redaktion empfiehlt Bauherren, bei der SHK-Auswahl explizit nach VDI-4645-Konformität zu fragen. Wer noch nach alter Norm 2012 dimensioniert, bietet tendenziell schlechtere Beratung. Eine Frage an den SHK-Betrieb: „Welche Schritte setzen Sie bei der Auslegung an? Welche Normen ziehen Sie heran?“ Die Antwort sollte klar sein und VDI 4645 enthalten.
Quellen & Belege
- Verein Deutscher Ingenieure (VDI), VDI 4645 Update 2025 — direkter Link: https://www.vdi.de/