Bestand · Sanieren statt ersetzen
Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand
Die meisten Heizungstausche finden nicht im Neubau statt, sondern im Bestand. Für Bestandsbauten ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe ideal, sofern Dämmung und Heizflächen passen. Diese Seite erklärt die Eignungsprüfung in drei Schritten — ohne Marketing-Sprache, ohne Bevorzugung einer Bauform.
Wann die Pac im Bestand funktioniert
Die drei Hauptdeterminanten sind Heizlast, Vorlauftemperatur und Schallkulisse. Wer alle drei im Voraus prüft, vermeidet 90 % der Bauzeit-Überraschungen.
- Heizlast prüfen — DIN EN 12831 durch einen SHK-Fachbetrieb. Bei einem Bestand-EFH mit 150 m² liegt sie meist zwischen 6 und 12 kW.
- Vorlauftemperatur prüfen — Bestand-Plattenheizkörper brauchen oft 55 °C, Niedertemperatur-Heizkörper oder FBH kommen mit 45 °C aus. Liegt die effektive Vorlauftemperatur über 60 °C, ist eine Pac kritisch und Hybrid sinnvoll.
- Schallkulisse prüfen — TA Lärm: 35 dB(A) nachts in Wohngebieten. Schallprognose durch Fachbetrieb reicht meist für die ersten 5 m Abstand.
Häufige Fallstricke im Bestand
Die folgenden Situationen führen regelmäßig zu Ärger, weil sie auf der ersten Begehung nicht offensichtlich sind:
- Zu kleine Heizflächen — Bestand aus den 1960ern hat oft Typ-10-Heizkörper. Wenn 30 % der Räume zu klein dimensioniert sind, ist die effektive Vorlauftemperatur zu hoch.
- Hydraulischer Abgleich wurde jahrzehntelang nicht gemacht. Eine Pac bringt den Schlamm an die Oberfläche — der Abgleich ist Pflicht.
- Hausanschluss ist auf 3 × 35 A oder 3 × 50 A beschränkt. Wer eine 12-kW-Pac plus Heizstab-Reserve dazu nimmt, löst alle 5 Minuten die Sicherung aus. Lastmanagement oder Anschluss-Verstärkung muss mitgerechnet werden.
- Denkmalschutz — Außeneinheiten an der Fassade können in denkmalgeschützten Ensembles unzulässig sein. Vor der Beauftragung die Untere Denkmalschutzbehörde fragen.
- Erbpacht oder WEG — bei Eigentumswohnungen oder Erbbaurecht ist der Eigentümerstatus Voraussetzung für KfW 458. Eigentümergemeinschaften brauchen mehrstimmige Beschlüsse.
Typische Bestandsbau-Konstellationen
| Baualter | Effektive Vorlauftemperatur | Geeignete Pac-Klasse | Heizflächen-Tausch nötig? |
|---|---|---|---|
| EFH 1965–1985 unsaniert | 55–60 °C | Hybrid oder sehr großes Gerät | Ja, in 60 % der Fälle |
| EFH 1985–2000 teilsaniert | 50–55 °C | Standard 10–12 kW | Selektiv |
| EFH 2000–2015 vollständig saniert | 45 °C | Standard | Nein |
| EFH 2015+ KfW-Effizienzhaus | 35 °C | Standard klein 8 kW | Nein |
Realistischer Zeitplan
Wer im Sommer beginnt, kommt vor dem ersten Frost zur Inbetriebnahme:
- Woche 1–2: Erste Vor-Ort-Begehung durch zwei Fachbetriebe.
- Woche 2–4: KfW-Antragstellung mit Energieberatung.
- Woche 4–8: KfW-Bewilligung und Auftragsvergabe.
- Woche 8–12: Demontage, Elektrik, Installation, Druckprüfung.
- Woche 12: Inbetriebnahme und Einweisung durch SHK-Betrieb.
Quellen
- DIN EN 12831 — Heizlastberechnung
- VDI 4645 — Heizungsanlagen mit Wärmepumpen
- BWP Bundesverband Wärmepumpe — Bestandsbauten & Pac